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Grün, grün, grün…

Eine herausfordernde, aber rasante Farbe! Ein paar Tipps:

FARBINSPIRATION

by Anna, 26.07.2016

Wenn ich zu Beginn einer Farbberatung nach Farbvorlieben beziehungsweise –abneigungen frage, kommt häufig die Antwort: ‚Ich bin offen für alles, aber bitte auf gar keinen Fall Grün!‘ Diese kategorische Abneigung kenne ich nur bei Grün. Dieser an sich so komplexe, vielseitig einsetzbare und aus der Natur positiv besetzte Farbton wird offensichtlich von vielen Menschen als giftig und grell empfunden. Erbsengrün ist da genauso gefürchtet wie Apfelgrün.
Das gleiche gilt für Olivgrün, das mit “Eiche Rustikal” und verstaubten Samtsesseln assoziiert und als bieder, düster und altmodisch empfunden wird. Wahr ist, dass man wenige Farbtöne so verhauen kann, wie Grün. Die Chance, daneben zu liegen ist hoch. Dennoch ist die Ablehnung eigentlich verwunderlich, da Grün Sinnbild für Hoffnung, Neuanfang und die Schönheit der Natur ist (und man wirklich wunderbar damit gestalten kann).

 

Ich glaube, dass wir Deutschen die Farbe bisher zu häufig in Krankenhäusern, knallig gestrichenen Kindergärten, Saftbars oder altmodischen Herrenclubs mit Schottenmustern und Geweihen an der Wand gesehen, und ein Vorurteil entwickelt haben.
Guckt man Gestalter wie Karl Friedrich Schinkel, Le Corbusier oder Künstler wie Matisse an, entdeckt man die rasanten Gestaltungsmöglichkeiten mit Grün, und sieht, dass es Zeiten gab, in denen man grüne Farben gerne eingesetzt hat.
Für die Gestaltung mit Grün gibt es wie bei allen Farben zwei Hauptpunkte, die man bedenken muss – die Nuance und die Kombinationsmöglichkeiten.

 

Die Bandbreite der Farbe Grün bewegt sich von hellen, fröhlichen, manchmal gelb, manchmal blaustichigen Grüntönen, die frisch, sonnig und oft knallig wirken – bis hin zu sehr satten, tiefen Dunkelgrüns. Zu den frischen Tönen gehören in meiner Palette z.B. Ceylon 31, Tinkerbell 43 oder Crystalle 42; zu den satten Grüntönen ganz klar Matisse 151 und Harlekin 175. Dazwischen gibt es eine unendliche Reihe raffiniert gebrochener Töne, die leichter einsetzbar sind, als die leuchtenden Verwandten (mehr dazu weiter unten).

 

Genauso ausschlaggebend für die Wirkung von Grün ist die Kombination mit anderen Farbtönen. Frisches Grasgrün mit Weiß, wie z.B. in einem Streifenstoff wirkt luftig und sommerlich. Das gleiche Grasgrün mit schwarzen Möbeln, goldenen Leuchtern und roten Kissen sieht gleich sehr edel, formell und klassisch aus.

 

Sattes Dunkelgrün für aussagestarke Räume

Ein richtiges Dunkelgrün sieht man selten, und wenn, dann eher in Altbauten, klassischen Bibliotheken oder Restaurants. Viele trauen sich dunkle Grüntöne als ständige Wandfarbe nicht zu, da sie Angst davor haben, die Farbe könne zu dunkel und drückend sein. Wenn man es allerdings schafft, dunkle Grüntöne entweder in Räume mit viel Tageslicht zu streichen oder dunkle Räume gut beleuchtet, hat man eine unheimlich raffinierte, warme und beruhigende Wandfarbe.

Mit Spiegeln, reflektierenden Stoffen wie Seide oder Satin kann man zusätzlich Glanz und Licht in den Raum bringen. Eine beliebte Kombination mit dunklem Grün sind z.B. speckig glänzende Ledersessel, alte Spiegel und ein gläserner Kronleuchter. Frischer und moderner hingegen ist Dunkelgrün mit Türkis und Gelb kombiniert. Diese Akzentfarben bringen Fröhlichkeit und Pepp in einen dunkelgrünen Raum. Ob in Form von gemusterten Stoffen oder gestrichenen Möbeln ist hierbei egal.

 

 

Klassische Hintergrundfarbe für Kunstwerke

Die Kombination aus Grün und Gold ist besonders klassisch und schon immer eine sehr beliebte Hintergrundfarbe für alte Meister gewesen. Dies kann man z.B. im Louvre und der National Gallery gut beobachten. Den häufig in Gold gerahmten Meistern schmeichelt ein sattes Grün, da es die roten Farbnuancen, ganz egal ob sichtbar als Akzent oder in den Hintergrund gemischt, stärker leuchten. Häufig haben klassische Kunstwerke auf grünen Wänden eine andere Strahlkraft als auf Weiß oder Grau. In meiner Palette werden vor allem Tamino 14, Georgia 17 oder Kensington 38 gerne als Hintergrundfarben für Bilder verwendet.

 

 

Frisches Grün für Küchen und Spielzimmer

Ob ein frisches, helles Gelb-Grün oder ein kühleres, türkisstichiges Grün – beide Nuancen werden gerne für Küchen und Spielzimmer genommen. Helle Grüntöne versprühen Freude und passen meistens unheimlich gut zu Holzböden und weißen Küchenfronten oder Möbeln. Grün und Weiß ist ohnehin eine sehr schöne Farbkombination. Man sollte nur aufpassen, dass man bei einem knalligen Grün auch Kontraste schafft, damit man nicht völlig überwältigt wird, wenn man den Raum betritt.

 

Grün und Blau

 

Eher selten sehe ich die unheimlich schöne Kombination aus Grün und Blau. Wenn einem mittelgrünen Raum ein veilchenblaues Zimmer folgt, ist dies für mich eine sehr harmonische Kombination. Hierzu lassen sich dann sowohl Holz, helle Grau- und Weißtöne sowie auch ganz bunte Stoffe kombinieren.

 

Gräuliche Grüntöne

 

Zeitlos und vielen Räumen sehr schmeichelnd sind pastellige und leicht gebrochene Grüntöne. Sie ändern sich bei unterschiedlicher Beleuchtung und passen sich ihrer Umgebung an. Gerade, wenn man sich vorsichtig an eine grüne Wandfarbe herantrauen möchte, rate ich immer gerne zu den sanfteren Grünnuancen.

 

Zarte Grau-Grün Nuancen für lichtdurchflutete Räume und Wintergärten

Wenn man sich durch Grün ‚die Natur ins Haus holen möchte‘, sollte man darauf achten, einen komplex gemischten, sanften Grünton zu verwenden. Ein artifizieller Abklatsch eines Tones (z.B. Erbsengrün oder Grasgrün) hat oft nichts mit den feinen Schattierungen, die wir aus Garten und Wald kennen zu tun, und kann eine grosse Enttäuschung sein. Besonders in Räumen mit vielen und großen Fenstern, sollte man genau gucken, ob die grüne Wandfarbe in allen Jahreszeiten mit den Farben im Garten harmoniert. Gut eignen sich hierfür matte, gebrochene Töne, die durch ihre samtige Oberfläche das Licht weich reflektieren. Beleben kann man eine starke, grüne Wandfarbe außerdem noch mit Kissen in unterschiedlichen Grünnuancen, Blumen und Bildern.

Tipp: Achtung Weihnachten! Grundsätzlich empfehle ich immer gerne Komplementärkontraste, da sie Spannung und Pepp in Räume geben. Im Fall von dunklem Moosgrün sollte man hier allerdings die Komplementärfarbe Rot nur sehr bewusst einsetzen, damit man nicht aus Versehen eine Weihnachtsatmosphäre schafft, die man nicht unbedingt das Jahr hindurch haben möchte.

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